Weihnachtsgeld

Wenn der Chef nicht zahlt...

Foto: Jorma Bork/Gerd Altmann (pixelio.de)

In der Adventszeit wird in vielen Betrieben das Weihnachtsgeld ausgezahlt. Die Arbeitnehmer freuen sich über den zusätzlichen Geldsegen. Nicht immer zahlt der Chef aus reiner Nächstenliebe. Das Weihnachtsgeld ist in den meisten Fällen eine tarifliche Leistung, die die Gewerkschaft durchgesetzt hat. Und da gilt: Der Chef muss zahlen.

 

Trotzdem verweigern manche Arbeitgeber alle Jahre wieder die Zahlung der sogenannten Jahressonderzuwendung. Insbesondere im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch im Bäckerhandwerk drücken sich manche Chefs vor der Zahlung des Weihnachtsgeldes. 

 

Der Anspruch
Die meisten Firmen halten sich an geltendes Recht. Die schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern nutzen die Gutgläubigkeit ihrer Angestellten aus. Denn oftmals glauben die betroffenen Arbeitnehmer, dass sie gar keinen Anspruch auf die Sonderzahlung hätten. Die Tarifverträge der Gewerkschaft NGG sehen die Zahlung eines Weihnachtsgeldes u.a. im Gastgewerbe, im Bäckerhandwerk und in der Systemgastronomie (Fastfood) im Rheinland verbindlich vor. Geringfügig Beschäftigte, studentische Aushilfen und Teilzeitkräfte bekommen die Zahlung anteilig (Höhe des Weihnachtsgeldes in einzelnen Tarifbereichen siehe unten). In allen Fällen ist die Zahlung mit der Novemberabrechnung fällig. Wir empfehlen: Kontrolliere Deine Lohnabrechnung. Wer kein Weihnachtsgeld erhalten hat, sollte sich im NGG-Büro Köln zur Beratung melden. Die Gewerkschaft prüft, ob ein Anspruch besteht und gibt Tipps, wie man zu seinem Recht kommen kann. Denn: Wer nichts unternimmt, der riskiert, dass der Anspruch nach wenigen Monaten verfällt.

 

Freiwilligkeit
Auch wenn der Arbeitgeber nicht per Tarifvertrag zur Zahlung des Weihnachtsgeldes verpflichtet ist, müssen sich Beschäftigte nicht nach Gutsherrenart behandeln lassen. Durch Urteile des Bundesarbeitsgerichts sind Widerrufs- und Freiwilligkeitsvorbehalte beschränkt. Ist der Weihnachtsgeldanspruch im Arbeitsvertrag geregelt, so muss klar und deutlich zu erkennen sein, dass das Weihnachtsgeld eine freiwillige Leistung sein soll. Will der Chef das angeblich freiwillige Weihnachtsgeld widerrufen, so muss der Widerrufsvorbehalt nebst Begründung ebenso unmissverständlich im Arbeitsvertrag geregelt sein. Die Voraussetzungen für den Widerruf (z.B. nicht erreichte Umsatzziele) müssen klar, verständlich und nachprüfbar sein. Der Arbeitgeber muss den Widerruf vor der Fälligkeit erklären.

 

Betriebliche Übung
Wird das Weihnachtsgeld vom Arbeitgeber „einfach nur so“ (also: ohne arbeitsvertragliche Vereinbarung und ohne irgendeine Erklärung)  gezahlt, kann eine sogenannte betriebliche Übung entstehen. Dies kann der Fall sein, wenn der Arbeitgeber das Weihnachtsgeld drei Mal hintereinander bezahlt. Zwar kann auch die betriebliche Übung durch einen eindeutigen Freiwilligkeitsvorbehalt eingeschränkt werden. Aber die oben genannten Kriterien sind dennoch zu beachten.

Soviel Weihnachtsgeld steht dir zu:

 

Tarifbereich: Jahressonderzahlung:
Stärkeindustrie 100% des Monatsentgelts
Süßwarenindustrie 100% des Monatsentgelts
Obst und Gemüse verarb. Industrie 100% des Monatsentgelts
Molkereien/Käsereien 100% des Monatsentgelts
Bäckerhandwerk bis 470 €
Brauereien 100% des Monatsentgelts
Gastgewerbe 50% des Monatsentgelts
Systemgastronomie bis zu 568 €

 

 

Stand: Dezember 2014. Änderungen vorbehalten. Mitglieder erhalten Tarifverträge und ausführlichere Informationen im NGG-Büro Köln.

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Gewerkschaftsmitglieder sind besser dran

Rund 54 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erhalten Weihnachtsgeld. Dabei gilt: Wird in einem Betrieb gearbeitet, der nach Tarifvertrag zahlt, ist die Wahrscheinlichkeit, eine solche Sonderzahlung zu erhalten, deutlich höher. Beschäftigte in Unternehmen ohne Tarifbindung erhalten nur meist kein Weihnachtsgeld - dagegen bekommen Beschäftigte, die nach Tarif entlohnt werden, häufiger eine Jahressonderzahlung. Statistisch deutlich bemerkbar macht sich auch die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft: zwei Drittel der Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland werden mit Weihnachtsgeld bedacht, Beschäftigte, die kein Mitglied einer Gewerkschaft sind, nur zu 51 Prozent.*

 


*Alle Zahlen basieren auf einer Online-Umfrage von Juli 2013 bis Juni 2014 auf www.lohnspiegel.de. Der LohnSpiegel ist ein Projekt des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung.

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