Fast 90% mehr Bezieher von Grundsicherung

Altersarmut in Köln und Umgebung dramatisch gestiegen

Selbst Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, bleibt der Gang zum Sozialamt nicht erspart. In Köln und Umgebung sind immer mehr Rentner auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 45.000 Menschen in Köln und den umliegenden Kreisen erhielten im Jahr 2015 Grundsicherung („Alters-Hartz-IV“) im Alter oder bei Erwerbsminderung – fast 90 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

 

Allein in Köln sind über 20.000 betroffen. Den geringsten Anstieg gab es im Oberbergischen Kreis, wo die Zahl um 61 Prozent gestiegen ist. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) hervor. Die NGG Köln warnt deshalb vor einer weiteren Zunahme der Altersarmut und fordert eine Stärkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Zudem dürften tarifliche und betriebliche Zusatzrenten nicht länger auf die Grundsicherung angerechnet werden.

 

Innerhalb von zehn Jahren sind in Köln, Leverkusen und Bonn sowie in Rhein-Sieg-, Rhein-Erft-, im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis rund 21.000 Menschen hinzugekommen, die ihre Rente beim Staat aufbessern müssen.

 

Selbst Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, bleibt der Gang zum Sozialamt nicht erspart. Das ist ein sozialpolitisches Armutszeugnis. Die NGG Köln fordert deshalb Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ohne ein höheres Rentenniveau werden gerade die jungen Beschäftigten später in Altersarmut geschickt. Für sie läuft die Rente derzeit auf 43 Prozent ihres Einkommens hinaus. Dabei weiß jeder, dass alles unter 50 Prozent extrem ungerecht ist.

 

Gleichzeitig muss auch die betriebliche Vorsorge ausgebaut werden. Das ist gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Die NGG hat in Nordrhein-Westfalen für alle Branchen tarifliche Zusatzrenten vereinbart. Zum Beispiel in der Ernährungsindustrie. Dort zahlt der Arbeitgeber im Schnitt 500 bis 600 Euro pro Jahr in die tarifliche Altersvorsorge ein.

 

Aber das Ersparte landet nur dann im Portemonnaie der Menschen, wenn die Zusatzrente nicht länger auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird. Bislang wird Beschäftigten, die eine Tarifrente und Anspruch auf Grundsicherung haben, ein Großteil der Zusatzrente wieder abgezogen. Das ist ein Missstand, den der Gesetzgeber unbedingt beheben muss.

 

Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehören vor allem faire Löhne. Doch statt sich an Tarifverträge zu halten, drücken viele Arbeitgeber die Löhne durch prekäre Jobs. Zudem muss der gesetzliche Mindestlohn kräftig angehoben werden. Erst dann kann Altersarmut auch im Niedriglohnbereich verhindert werden.

 

Bezieher von Grundsicherung

nach Gemeinden und Kreisen im Jahr 2015

(Veränderungen gegenüber 2005)

Köln 20.787 (+10.300)
Leverkusen 2.112 (+1.000)
Bonn 4.661 (+2.160)
Rheinisch-Bergischer Kreis 2.585 (+1.000)
Rhein-Sieg-Kreis 5.326 (+2.560)
Rhein-Erft-Kreis 4.887 (+2.100)
Oberbergischer Kreis 2.485 (+940)
Kreis Euskirchen 1.892 (+980)

Quelle: Statistischen Landesamtes (IT.NRW)

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