Wirtschaftsfaktor Ernährungsbranche

Schoko-Hunger – Rheinländer essen 31.990 Tonnen Schokolade pro Jahr

1.333 Sattelschlepper voll mit Schokolade: So groß ist der Hunger auf Süßes im Regierungsbezirk Köln pro Jahr. Von der Tafel über die Praline bis zum Riegel: 31.990 Tonnen Schokolade aßen die Menschen hier zuletzt rein statistisch – gut 9,5 Kilo pro Kopf. Beim Käse waren es 82.150 Tonnen – 24,5 Kilo pro Einwohner. Und beim Bier wurden rund 3,5 Millionen Hektoliter im Jahr getrunken (104 Liter pro Kopf). Schokolade, Käse, Bier – nur drei Beispiele, die zeigen, welche Bedeutung Lebensmittelindustrie und -handwerk haben, sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

 

Rund 17.970 Arbeitsplätze hängen in Köln und den umliegenden Kreisen (Regierungsbezirk Köln) laut Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland – ein Großteil der Produktion geht in den Export – und schafft es damit auf die internationalen Teller. So sind Hersteller aus der Region auch regelmäßig auf der Grünen Woche – der weltgrößten Agrar- und Verbrauchermesse – in Berlin präsent.

 

Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen sind eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft. Die ist gut aufgestellt und belegt bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. Kaum irgendwo ist die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns.

 

Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken ist jedoch, dass dieses fair produziert wird – angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. Dazu hat die NGG eine lebensmittelpolitische Initiative gestartet. Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck – das kann zum Beispiel nicht gut gehen. Dies bedeutet auch, dass Unternehmen Tarifverträge einhalten und sich an der Berufsausbildung beteiligen.

 

Mit Sorge sieht die NGG den Trend zur Verramschung: Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren finden regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten statt. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade ist in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhen den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen.

 

An die Verbraucher appelliert die NGG daher, nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten. Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken – und beim Essen neben dem Genuss auch noch ein gutes Gewissen haben.

 

Quelle: Zahlen des BdSI, Agentur f. Arbeit, Stat. Bundesamt, eigene Berechnungen

 

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