Mehr Beschäftigte, weniger Arbeitslose, mehr Kaufkraft

Unsere Region profitiert vom Mindestlohn

Der „8,50-Euro-Daumen“ ist oben: Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft NGG für Köln und die umliegenden Kreise eine positive Bilanz. Zum ersten Mal haben alle Beschäftigten einen festen Lohnsockel unter den Füßen – von der Küchenhilfe bis zur Verkäuferin im Backshop: Wer arbeitet, muss dafür mindestens 8,50 Euro pro Stunde bekommen. Der gesetzliche Mindestlohn ist der Einstieg in den Lohn-Aufstieg für Menschen, die zuvor mit Niedrigstlöhnen abgespeist wurden.

 

Vom „Schreckgespenst Mindestlohn“, vor dem die Arbeitgeber auch in unserer Region noch vor einem Jahr gewarnt haben, ist nichts übrig geblieben: Der Mindestlohn ist weder „Konjunktur-Bremser“ noch „gefährlicher Job-Killer“. Im Auftrag der NGG legte das renommierte Pestel-Institut (Hannover) Anfang 2016 eine „Mindestlohn-Analyse“ vor.

 

Die Wissenschaftler werteten dabei auch die Beschäftigungssituation in Köln, Euskirchen, Leverkusen, Bonn, im Rheinisch-Bergischen Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Rhein-Erft-Kreis und im Oberbergischen Kreis aus. Das Ergebnis: Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt. Insgesamt ist in allen ausgewerteten Kreisen die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2015 gestiegen (gegenüber Vergleichsmonat 2014).

 

Der Mindestlohn hat zudem dazu geführt, dass etliche Arbeitgeber aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht haben. Das gelte nicht nur für die Gastro-Branche. Viele Mini-Jobs waren besonders schlecht bezahlt. Durch den Mindestlohn sind die Mini-Jobber über die 450-Euro-Grenze gerutscht. Und das sind jetzt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Diese Menschen haben damit etwas Besseres als den Mini-Job. Das ist ein Riesenerfolg.

 

Gleichzeitig nahm die Arbeitslosigkeit im „Mindestlohn-Jahr 2015“ ab und die die Beschäftigtenzahl insgesamt hat sich ebenfalls mit dem gesetzlichen Mindestlohn positiv entwickelt. Das alles zeigt: Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat den Beschäftigten gut getan. Und er hat der Wirtschaft nicht geschadet. Im Gegenteil: Das Lohn-Plus hat der Region eine höhere Kaufkraft beschert, von der insbesondere auch die heimische Wirtschaft profitiert. Denn Beschäftigte, die den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, haben das zusätzlich verdiente Geld nahezu eins zu eins in den Konsum gegeben.

 

Um diesen Menschen die Chance zu geben, auch Geld für größere Anschaffungen auf die hohe Kante zu legen, muss der Mindestlohn allerdings steigen. Unser Ziel ist es, ihn möglichst rasch in einem ersten Schritt auf 10 Euro pro Stunde anzuheben. Die NGG hat einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland im Jahr 2015 überhaupt eingeführt worden ist. Jetzt werden wir ebenso hartnäckig daran arbeiten, ihn schrittweise „zu liften“.

 

Für die NGG Köln ist eine Erhöhung des Mindestlohns nur konsequent. Das zeigt auch eine Renten-Berechnung des Bundesarbeitsministeriums: Um eine Rente von mindestens 769 Euro pro Monat – also gerade einmal die Grundsicherung im Alter – zu bekommen, müsste ein Beschäftigter mindestens 11,50 Euro pro Stunde verdienen. Und das 45 Jahre lang bei einer Vollzeitstelle. Ein Leben lang arbeiten und dann doch nur ‚Alters-Hartz-IV‘ bekommen – das darf nicht sein. Der gesetzliche Mindestlohn steckt noch in den Kinderschuhen. Aber wir werden ihn groß bekommen.

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