NGG zum Frauentag

Zwei Drittel aller Teilzeit- und Minijobs in Köln sind in Frauenhand

Die Teilzeit und der Niedriglohn – in der Region Köln ist beides weiblich: Noch immer sind hier etwa zwei Drittel aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Bei den rund 153.000 Teilzeit-Stellen in der Stadt Köln liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 70 Prozent. In den umliegenden Kreisen und Städten sieht es nicht anders aus.

 

Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien sind Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeitet, hat es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.

 

Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag der so genannte „Gender Pay Gap“ dagegen lediglich bei 16 Prozent. „Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt.“

 

Zwar gibt es für Frauen seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient. Doch das Lohntransparenzgesetz gilt lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas. Hier muss die Bundesregierung dringend nachbessern.

 

Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen in der Domstadt verschärfen. Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen.

 

In einer aktuellen Studie beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die „weibliche Rentenlücke“ in den alten Bundesländern auf 42 Prozent. Ein Rentner erhält demnach Bezüge von durchschnittlich 994 Euro im Monat. Eine Rentnerin kommt dagegen nur auf 576 Euro. Am Ende ist das auch für den Staat eine teure Sache. Die öffentliche Hand muss dann Armutsrenten durch Grundsicherung im Alter und Zuschüsse fürs Wohnen aufbessern.

 

Hinzu kommt: Im Beruf sind nach Beobachtung der NGG noch immer viele Frauen Diskriminierung ausgesetzt. Zotige Sprüche an der Theke sind da noch das Geringste. In 80 Prozent aller Fälle von sexueller Belästigung von Frauen geht die Gewalt von einem Mann aus. Dies hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einer aktuellen Studie festgestellt.

 

Positiv wertet die NGG Köln, dass sich immer mehr Frauen gegen Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben zur Wehr setzten. Dabei könnten sie auf die Hilfe der Gewerkschaft zählen – per Rechtsschutz lasse sich etwa der übergriffige Kollege abmahnen.

 

Nach der rechtlichen Gleichstellung muss auch eine vollständige Gleichbehandlung im Job kommen. Unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen darf es heute nicht mehr geben.

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